Ab wann ist ein Hund alt?
Es gibt keine universelle Altersgrenze — sie hängt von Rasse und Gewicht ab:
- Kleine Rassen (<10 kg): ab ~10–11 Jahren.
- Mittelgroße Rassen (10–25 kg): ab ~8–9 Jahren.
- Große Rassen (25–45 kg): ab ~7–8 Jahren.
- Riesenrassen (>45 kg): ab ~5–6 Jahren. Ein Irischer Wolfhund mit 6 Jahren ist bereits ein echter Senior.
Körperliche Veränderungen im Alter
- Gelenkverschleiß (Arthrose): der häufigste altersbedingte Befund. Zeigt sich als morgendliche Steifheit, Zögern vor dem Treppensteigen, geringere Belastungstoleranz.
- Nachlassende Sinne: Sehvermögen und Hörfähigkeit nehmen ab. Graue Linsentrübung (Kernkatarakt) ist normal. Taubheit kann Hunde schreckhafter machen.
- Veränderte Körperzusammensetzung: Muskelabbau (Sarkopenie), Gewichtszunahme durch verlangsamten Stoffwechsel oder Gewichtsabnahme bei Erkrankungen.
- Schlechteres Immunsystem: häufigere und schwerere Infektionen, langsamere Wundheilung.
- Nieren- und Herzveränderungen: chronische Nierenerkrankung und Herzinsuffizienz nehmen mit dem Alter stark zu.
Kognitive Dysfunktion (Hunde-Demenz)
Das canine kognitive Dysfunktionssyndrom (CDS) ist das Äquivalent zur Alzheimer-Erkrankung beim Menschen. Betrifft ca. 28 % der Hunde zwischen 11 und 12 Jahren, bis zu 68 % über 15 Jahre.
Zeichen: Desorientierung (starrt in Ecken, findet den Napf nicht), veränderte Schlaf-Wach-Zyklen (nachts aktiv), sozialer Rückzug, Verlust der Stubenreinheit, Vergessen erlernter Kommandos.
Behandlung: kognitive Stimulation (neue Gerüche, einfache Schnüffelspiele), Selegilin (Selgian), Omega-3, Alpha-Casozepine. Früher Beginn verlangsamt den Verlauf.
Ernährung im Seniorenalter
- Weniger Kalorien bei niedrigerem Aktivitätsniveau — verhindert Übergewicht.
- Hohe Proteinqualität trotz eingeschränkter Nierenfunktion — Proteinmangel beschleunigt Muskelabbau. Nur bei gesicherter Nierenerkrankung Protein reduzieren.
- Mehr Omega-3-Fettsäuren (EPA + DHA) für Gelenke, Herz und Gehirn.
- Erhöhte Vitaminsupplementation (E, B12) für Immunsystem und neurologische Gesundheit.
- Spezielles Seniorenfutter ist sinnvoll, muss aber auf den Gesundheitsstatus des Individuums angepasst sein.
Bewegung und Gelenke
- Regelmäßige, moderate Bewegung ist wichtig — nicht Ruhigstellen. Kürzere, häufigere Spaziergänge statt seltener langer Touren.
- Warm und trocken halten — Gelenkschmerz verstärkt sich in Kälte und Feuchtigkeit.
- Orthopädisches Bett: entlastet die Gelenke.
- Rampen statt Treppen für Couch und Auto.
- Gelenkergänzung: Glucosamin + Chondroitin + Omega-3. Wissenschaftliche Evidenz ist mäßig, aber gut toleriert.
- NSAIDs (Meloxicam, Carprofen): verschreibungspflichtig, sehr wirksam bei Arthroseschmerz. Regelmäßige Blutkontrollen bei Langzeitanwendung.
Vorsorgeuntersuchungen für Senioren
Ab dem Seniorenalter werden halbjährliche tierärztliche Kontrollen empfohlen (statt jährlich). Dazu gehören: vollständige körperliche Untersuchung, Blutbild mit Nieren- und Leberparameter, Schilddrüse, Blutdruck und — je nach Rasse — Echokardiographie.
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