Was ist Koprophagie und wie häufig ist sie?
Als Koprophagie bezeichnet man das Fressen von Kot — des eigenen oder des anderer Tiere. Es ist eine der häufigsten Verhaltensbesonderheiten bei Hunden. Studien zeigen, dass etwa 16 % aller Hunde regelmäßig Kot fressen; bei 5–8 % ist es ein chronisches Problem. Besonders häufig betroffen: Labrador Retriever, Golden Retriever und Beagle.
Mögliche Ursachen
Ernährungsbedingte Ursachen
- Nährstoffmangel: Enzyme- oder Vitaminmangel (besonders B-Vitamine) kann Hunde dazu bringen, Kot zu fressen, um fehlende Nährstoffe aufzunehmen.
- Nicht vollständig verdaute Nahrung: minderwertiges Futter mit unverdauter Stärke kann Kot für Hunde attraktiv riechen lassen.
- Hunger: zu wenig oder zu seltenes Füttern.
Medizinische Ursachen
- Parasiten (Wurmbefall, der Nährstoffe entzieht).
- Malabsorptionssyndrome (EPI — exokrine Pankreasinsuffizienz).
- Diabetes mellitus oder Cushing-Syndrom (gesteigerter Hunger).
Verhaltensbedingte Ursachen
- Langeweile und mangelnde Stimulation: häufigste Ursache bei jungen Hunden.
- Aufmerksamkeitssuche: wenn der Besitzer stark auf das Verhalten reagiert (schreien, verfolgen), lernt der Hund, dass Kotfressen Zuwendung bringt.
- Instinktverhalten: Muttertiere fressen den Kot ihrer Welpen, um das Nest sauber zu halten. Junghunde imitieren das.
- Stress und Anspannung.
Was wirklich hilft — Strategien
Management (kurzfristig)
- Sofort aufsammeln: nach jeder Ausscheidung sofort den Kot entfernen — Gelegenheit macht Diebe.
- Immer an der Leine: keine unbeaufsichtigten Pausen im Garten, bis das Verhalten unter Kontrolle ist.
- Maulkorb: als Übergangsmaßnahme, nicht dauerhaft.
Training
- „Lass es!": Kommando trainieren, bevor der Hund den Kot erreicht. Gut belohnen mit einem hochwertigen Leckerli.
- Rückruf: starken Rückruf trainieren und einsetzen, sobald der Hund sich dem Kot nähert.
- Nicht übertrieben reagieren: keine Verfolgungsjagd, kein Schreien — das verstärkt das Verhalten durch Aufmerksamkeit.
Ernährung
- Qualitativ hochwertiges, gut verdauliches Futter.
- Verdauungsenzyme (Bromelain, Protease) als Supplement — verbessern die Verdauung, sodass der Kot weniger attraktiv riecht.
- Produkte mit Zutaten, die den Kot unschmackhaft machen (z.B. Ananas, Moosbeere, Coprophagia Deterrent) — funktioniert bei etwa 25 % der Hunde.
Tierarzt aufsuchen wenn …
- Das Verhalten plötzlich auftritt (EPI, Diabetes, Parasiten ausschließen).
- Der Hund dramatisch an Gewicht verliert.
- Häufige Durchfallphasen.
