Wie verbreitet ist Übergewicht bei Hunden?
Studien aus Deutschland und Österreich schätzen, dass 40–60 % aller Hunde übergewichtig oder adipös sind. Das ist die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung beim Hund — und eine der am leichtesten vermeidbaren. Das Problem: viele Besitzer nehmen Übergewicht nicht als Krankheit wahr, weil die Gesellschaft es normalisiert hat.
Gesundheitsrisiken von Übergewicht
- Arthrose und Gelenkprobleme: jedes Extra-Kilo bedeutet mehr Last auf Hüfte, Knie und Wirbelsäule.
- Diabetes mellitus: Fettgewebe produziert Substanzen, die die Insulinsensitivität verringern.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: erhöhter Blutdruck, vergrößertes Herz.
- Atemprobleme: besonders bei Brachyzephalen — Fett um den Hals verengt die Atemwege.
- Kürzere Lebenserwartung: Hunde mit Idealgewicht leben nachweislich 1,8 Jahre länger als übergewichtige Hunde der gleichen Rasse (Purina Longevity-Studie).
- Erhöhtes OP-Risiko bei Narkose (Fettgewebe speichert Narkosemittel).
Wie erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist?
Das Körpergewicht in kg allein sagt wenig — entscheidend ist der Body Condition Score (BCS) auf einer Skala von 1 (abgemagert) bis 9 (stark adipös). Optimal: BCS 4–5. Beim BCS 5:
- Rippen sind leicht tastbar, aber nicht sichtbar.
- Von oben sichtbare Taille hinter den Rippen.
- Von der Seite leicht eingewölbter Bauch.
Wenn Du die Rippen Deines Hundes unter einer Fettschicht kaum noch fühlen kannst — BCS ≥7 — ist Übergewicht bestätigt.
Warum Hunde zunehmen
- Zu viel Futter (häufigste Ursache) + zu wenig Bewegung.
- Zu viele Leckerlis (können 30–50 % der täglichen Kalorienaufnahme ausmachen!).
- Kastration: reduziert Energiebedarf um 20–30 %.
- Alter: Stoffwechsel verlangsamt sich.
- Medikamente: Kortison, bestimmte Antiepileptika.
- Krankheiten: Hypothyreose, Cushing-Syndrom.
Abnehmprogramm — wie es wirklich funktioniert
Schritt 1: Zielgewicht festlegen
Mit dem Tierarzt das Idealgewicht bestimmen (anhand BCS und Rasse). Diätphase bis zum Idealgewicht dauert typischerweise 3–6 Monate — nicht hetzen (max. 1–2 % Körpergewicht pro Woche verlieren).
Schritt 2: Kalorien reduzieren
- Kein drastisches Fasten — das führt zu Muskelverlust und Jojo-Effekt.
- Tagesration auf 60–80 % des Erhaltungsbedarfs des Idealgewichts reduzieren.
- Calorienarm, proteinreich: spezielle Diätfuttermittel (z.B. Royal Canin Satiety, Hill's Metabolic) sind sinnvoll — mehr Sättigungsgefühl durch hohen Fasergehalt.
- Leckerlis: auf <10 % der täglichen Kalorien begrenzen. Statt Herzchen: rohes Gemüse (Möhren, Gurke), Reiswaffel ohne Salz.
- Alle Familienmitglieder einbinden — ein einziger Leckerli-Geber sabotiert das Programm.
Schritt 3: Mehr Bewegung
- Dosiert steigern — ein überwichtiger Hund mit Gelenkproblemen verträgt keine plötzliche Intensivierung.
- Schwimmen oder Unterwasserlaufband: gelenkschonend und sehr effektiv.
- Spielsessions mit Aktivierung des Gehirns (Nasenarbeit, Apportieren).
Schritt 4: Regelmäßig wiegen
Wöchentlich wiegen und aufzeichnen. Gute Tierarztpraxen bieten kostenlose Gewichtskontrollen an. Mit Purzi kannst Du Gewicht, Futtermenge und Aktivität tracken und Trends sehen.
Cuándo der Tierarzt gefragt ist
Wenn Dein Hund trotz Diät nicht abnimmt (nach 4–6 Wochen), sollte eine Schilddrüsen- und Kortisolkontrolle erfolgen. Hypothyreose und Cushing-Syndrom können das Abnehmen unmöglich machen, solange sie unbehandelt sind.
