Warum Zecken beim Hund gefährlich sind
Zecken sind Blutsauger, die beim Stich verschiedene Krankheitserreger übertragen können. In Deutschland und Österreich sind folgende Erkrankungen relevant:
- Borreliose: häufigste zeckenübertragene Krankheit. Symptome: Gelenkschwellungen, Fieber, Lahmheit, in chronischen Fällen Nieren- und Herzprobleme. Erreger: Borrelia burgdorferi-Komplex.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): virusinfektion des Gehirns; beim Hund seltener klinisch relevant, aber möglich. Schutzimpfung für Menschen in Risikogebieten empfohlen.
- Anaplasmose: Fieber, Appetitmangel, Gelenkschmerz; gut auf Antibiotika (Doxycyclin) ansprechend.
- Babesiose: durch bestimmte Zeckenarten (Dermacentor) übertragen; zerstört rote Blutkörperchen; schwere Anämie. Aktuell südlich der Alpen, breitet sich nördlich aus.
- Leishmaniose: in Südeuropa durch Sandmücken, NICHT durch Zecken.
Die Übertragung von Borreliose dauert in der Regel 12–24 Stunden nach dem Stich — deshalb ist schnelles Entfernen so wichtig.
Zecke richtig entfernen — Schritt für Schritt
- Richtige Hilfsmittel: Zeckenhaken (Tick Twister) oder Spitzzange. Kein gewöhnlicher Pinzetten-Griff — das Quetschen löst Regurgitation aus.
- So nah wie möglich an der Haut ansetzen: zwischen Haut und Zeckenkörper.
- Drehen statt ziehen: mit dem Zeckenhaken in einer gleichmäßigen Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen. Alternativ: leicht ziehen und gleichzeitig leicht drehen.
- Zecke vollständig entfernen: kontrollieren, ob der Stechapparat (Hypostom) noch in der Haut steckt.
- Stichstelle desinfizieren: mit Chlorhexidin oder Jod.
- Zecke vernichten: in ein Tuch einwickeln und entsorgen oder in einem Behälter aufbewahren (falls die Tierarztpraxis sie untersuchen möchte).
Was Du NICHT tun darfst
- Kein Öl, Vaseline, Nagellack oder Feuer: lässt die Zecke stressbedingt Regurgitieren — erhöht das Übertragungsrisiko von Erregern drastisch.
- Nicht quetschen: aus demselben Grund.
- Nicht mit bloßen Fingern drehen: manche Erreger können auch über die Haut aufgenommen werden.
Wann zum Tierarzt?
- Der Kopf der Zecke ist in der Haut verblieben und die Wunde entzündet sich.
- Innerhalb von 2–4 Wochen nach dem Stich: Fieber, Lahmheit, Appetitmangel oder aufgequollene Gelenke.
- Sehr viele Zecken gleichzeitig (Zeckenmassen-Exposition).
Zeckenprophylaxe
- Spot-on-Präparate (z.B. mit Permethrin + Imidacloprid oder Fluralaner): sehr effektiv. Auf Monat-Basis auftragen. Achtung: Permethrini ist für Katzen giftig.
- Zeckenhalsbänder (Scalibor, Seresto): Langzeitschutz 4–8 Monate.
- Spot-ons mit Isoxazolinen (Bravecto, NexGard): Tabletten oder Spot-on; töten Zecken schnell ab, bevor Erreger übertragen werden. Verschreibungspflichtig.
- Tägliche Abtastung nach Ausflügen: Bauchleiste, Achseln, Ohren, zwischen den Zehen, Rute.
- Borreliose-Impfung für Hunde: in Risikogebieten empfohlen.
Mit Purzi kannst Du aufzeichnen, wann Dein Hund zuletzt gegen Zecken behandelt wurde, und Erinnerungen für die nächste Behandlung setzen.
