Was ist Grauer Star beim Hund?
Als Grauer Star (Katarakt) bezeichnet man die Eintrübung der Augenlinse, die zu einer zunehmenden Sehverschlechterung bis hin zur vollständigen Erblindung führt. Die Linse verliert ihre Transparenz, sodass Licht nicht mehr korrekt auf die Netzhaut fokussiert werden kann.
Ursachen
- Erblich: häufigste Form, insbesondere bei Pudel, Labrador, Cocker Spaniel, Golden Retriever, Siberian Husky und Boston Terrier.
- Diabetisch: sehr häufig bei Hunden mit Diabetes mellitus — Sorbitol-Akkumulation in der Linse beschleunigt die Eintrübung drastisch.
- Altersbedingt (seniler Katarakt): im Unterschied zum Menschen ist echter seniler Katarakt beim Hund selten; der häufige "Blaue Schimmer" im Alter ist meistens eine harmlose Linsentrübung (Lenticuläre Sklerose), kein Katarakt.
- Traumatisch oder entzündungsbedingt (sekundärer Katarakt).
Symptome
- Sichtbare Eintrübung der Linse: von milchig-blau bis vollständig weiß-grau.
- Sehverschlechterung: Anstoßen an Möbel, Zögern an Treppen, Unsicherheit in der Dunkelheit.
- Verändertes Verhalten (Angst in unbekannten Umgebungen).
- Rötung des Auges oder Augenreiben (bei sekundärer Uveitis).
Diagnose
- Ophthalmologische Untersuchung: Spaltlampe, Ophthalmoskopie, Tonometrie.
- Elektroretinogramm (ERG): beurteilt die Netzhautfunktion vor einer Operation.
- Augenultraschall: erkennt Netzhautablösung oder andere Ursachen für Sehverlust.
Behandlung: Phakoemulsifikation
Der einzig wirksame Katarakt-Behandlung ist die chirurgische Phakoemulsifikation: Ultraschallwellen zertrümmern und saugen die getrübte Linse ab; eine Kunstlinse wird implantiert. Die Erfolgsquote liegt bei >90 %, sofern die Netzhaut intakt ist.
- Idealer Kandidat: unreifer oder früh-reifer Katarakt, intakte Netzhaut, keine aktive Uveitis, guter Allgemeinzustand.
- Medikamentöse Behandlung: Es gibt kein wirksames Medikament, das die Eintrübung rückgängig macht. Antientzündliche Augentropfen lindern begleitende Uveitis.
Leben mit einem sehbehinderten Hund
- Möbel nicht umstellen — blinde Hunde lernen die Raumaufteilung.
- Verschiedene Bodentexturen als Orientierungshilfe nutzen.
- An der Leine führen in unbekannten Umgebungen.
- Geruchsanreicherung: blinde Hunde kompensieren mit ausgezeichnetem Geruchs- und Hörsinn.
