Was ist atopische Dermatitis?
Die canine atopische Dermatitis (CAD) ist eine chronische, genetisch und immunologisch bedingte Hautentzündung, die durch Umweltallergene wie Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilze und Tierepithelien ausgelöst wird. Sie ist nach Flohbissallergie die zweithäufigste Ursache für Juckreiz beim Hund und betrifft 10–15 % aller Hunde. Eine Heilung ist nicht möglich, aber eine effektive Kontrolle ist mit modernen Medikamenten gut erreichbar.
Symptome
- Chronischer Juckreiz – vor allem im Gesicht (um Augen und Schnauze), an den Pfoten (zwischen den Zehen), in den Achseln, der Leiste und der Analregion.
- Wiederkehrende Ohrentzündungen – häufig das erste oder einzige Zeichen.
- Gerötete, warme und verdickte Haut in den betroffenen Bereichen.
- Dunkle Verfärbungen (Hyperpigmentierung) und elefantenartige Hauttextur (Lichenifikation) bei chronischem Verlauf.
- Alopezie durch übermäßiges Kratzen, Beißen und Lecken.
- Rotbraun gefärbte Pfoten durch Speichelkontakt (Porphyrin).
- Sehr häufig sekundäre Hautinfektionen mit Staphylococcus oder Malassezia.
Diagnose
Kein einzelner Test kann eine atopische Dermatitis diagnostizieren. Die Diagnose erfolgt klinisch anhand der Favrot-Kriterien (mindestens 5 von 8, Sensitivität 85 %, Spezifität 79 %):
- Beginn vor dem 3. Lebensjahr.
- Hund lebt überwiegend in der Wohnung.
- Juckreiz spricht auf Glukokortikoide an.
- Kein Befall des Rückens.
- Befall der Vorderpfoten.
- Befall der Ohrmuscheln.
- Kein Befall des Ohrrandes.
- Kein Befall der Lumbosakralregion.
Häufige Auslöser
- Hausstaubmilben (Dermatophagoides): häufigstes Allergen; Herbst-Winter-Gipfel im Innenbereich.
- Pollen: Gräser, Birke, Olive; Frühjahrs-Gipfel.
- Schimmelpilzsporen (Alternaria, Cladosporium).
- Tierepithelien (Katze, Mensch, Pferd).
Behandlung
Juckreizkontrolle
- Oclacitinib (Apoquel) – JAK-Inhibitor, der das Juckreizsignal und die Entzündung blockiert. Wirkt schnell (4–24 h). Für die Daueranwendung zugelassen. Sehr sicher; kontraindiziert bei Welpen unter 12 Monaten und immungeschwächten Tieren.
- Lokivetmab (Cytopoint) – monoklonaler Antikörper gegen IL-31, die wichtigste Juckreiz-Zytokin. Monatliche Injektion. Ohne systemische Nebenwirkungen, ideal bei Hunden mit Begleiterkrankungen.
- Cyclosporin (Atopica) – immunmodulierendes Medikament. Wirksam, aber langsamer Wirkungseintritt (4–6 Wochen).
- Glukokortikoide – sehr wirksam kurzfristig; Langzeitanwendung wegen Nebenwirkungen begrenzt.
Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT)
Die einzige Option, die die Immunantwort dauerhaft verändert. Nach einem Allergietest werden maßgeschneiderte Impfstoffe mit den identifizierten Allergenen verabreicht (subkutane Injektionen oder Sublingualtropfen). Bei 50–75 % der Hunde reduziert sie den Medikamentenbedarf erheblich. Die volle Wirkung tritt nach 6–12 Monaten ein.
Umgebungsmanagement und Hautpflege
- Milbenschutzbezüge für Hundedecken und -kissen.
- Häufige Bäder (1–2 × pro Woche) mit feuchtigkeitsspendenden oder Haferflockenshampoos – stärkt die Hautbarriere.
- Omega-3-Fettsäuren (EPA+DHA) als Ergänzung.
- Konsequente Flohkontrolle – Flohbisse verschlimmern eine Atopie erheblich.
