Was ist Peritonitis beim Hund?
Das Bauchfell (Peritoneum) ist die Membran, die die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe auskleidet. Peritonitis ist die Entzündung dieser Membran, meist durch bakterielle Kontamination der normalerweise sterilen Bauchhöhle. Sie gehört zu den schwersten Notfällen in der Tiermedizin: Ohne schnelle und intensive Behandlung kann sie in wenigen Stunden zum Tod führen.
Häufige Ursachen
Gastrointestinale Perforation
Die häufigste Ursache. Ein perforierendes Magengeschwür, ein Fremdkörper (Knochen, Stock, Spielzeug), der die Darmwand durchstößt, oder ein Tumor mit Nekrose und Ruptur lassen Darmbakterien in die Peritonealhöhle einströmen.
Ruptur von Organen oder Strukturen
Die Ruptur der Gallenblase (durch Gallensteine oder Trauma), eines Prostata- oder Leberabszesses oder einer Pyometra (infizierter Uterus) sind weitere häufige Ursachen, die kontaminiertes Material in das Peritoneum freisetzen.
Postoperative Komplikationen
Nahtdehiszenz nach Darm- oder Magenoperationen erlaubt das Auslaufen von Darminhalt in den Bauch. Sie tritt meist am 3.–5. postoperativen Tag auf.
Chemische Peritonitis
Galle oder Urin, die sich bei Gallenblase- oder Blasenruptur im Peritoneum ansammeln, verursachen eine schwere chemische Entzündung, die sich sekundär infizieren kann.
Warnsymptome
- "Betende Haltung": Hund hält das Hinterteil hoch und streckt die Vorderpfoten aus — klassisches Zeichen für starke vordere Bauchschmerzen.
- Harter, gespannter, sehr berührungsempfindlicher Bauch.
- Hohes Fieber (>40 °C) oder in fortgeschrittenen Stadien Hypothermie (Schockzeichen).
- Anhaltendes Erbrechen.
- Extreme Schwäche und Prostration.
- Blasse, graue oder zyanotische Schleimhäute.
- Schnelle, flache Atmung.
- Tachykardie.
Bei diesen Zeichen sofort zum Nottierarzt — nicht bis zum nächsten Morgen warten.
Diagnostik
Körperliche Untersuchung
Die Bauchpalpation verursacht starke Schmerzen. Der Tierarzt kann Rigidität und in manchen Fällen Krepitation feststellen, wenn freies Gas im Bauch vorhanden ist.
Röntgen
Kann freies Gas unter dem Zwerchfell (Perforationszeichen), Verlust des Bauchdetails durch Flüssigkeit oder paralytischen Ileus zeigen.
Ultraschall und Abdominozentese
Der Ultraschall macht freie Flüssigkeit sichtbar und ermöglicht die Punktion zur Probenentnahme. Die Analyse (Zytologie, Glukose im Vergleich zum Blut, Laktat) bestätigt eine septische Peritonitis.
Behandlung
Erstversorgung
Aggressive intravenöse Flüssigkeitstherapie gegen den Schock, Sauerstoffgabe, Schmerztherapie und sofortige Breitspektrum-Antibiotikatherapie (Amoxicillin-Clavulansäure + Metronidazol oder Fluorchinolon).
Notoperation
Ziel ist die Beseitigung der Kontaminationsquelle (Perforation schließen, rupturiertes Organ entfernen, Fremdkörper herausnehmen) und eine ausgiebige Peritonealspülung mit lauwarmem Kochsalz. In manchen Fällen wird eine Bauchdrainage für 24–48 Stunden eingelegt.
Nachsorge
Tierärztliche Intensivstation in den ersten Tagen: kontinuierliches Monitoring, IV-Antibiotika, frühe enterale Ernährung und Schmerzmanagement. Die Genesung ist langwierig: 2–4 Wochen Hospitalisierung und anschließende häusliche Pflege.
Prognose
Die Sterblichkeit bei septischer Peritonitis beim Hund ist hoch (30–70 %) — selbst mit Behandlung. Günstige Faktoren sind Eingriff innerhalb der ersten Stunden, fehlender septischer Schock bei Aufnahme und eine behebbare Ursache (Fremdkörper vs. fortgeschrittener Tumor).
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